• Merten Riesner

Von digital, zu analog, zu digital.

Warum macht man sowas?


Ja diese Frage nach dem "Warum?" ist wohl berechtigt.

Eigentlich fing es mit dem fotografieren so richtig an als ich mir eine digitale Kleinbildkamera namens Canon EOS 5D Mark2 zulegt, dann kamen Objektive, die ersten brauchbaren Bilder entstanden und ich fühlte mich großartig. Für die damalige Zeit und auch heute noch würden die 21 MPX der Canon 5D Mark2 auch völlig reichen. es ging mir aber irgendwann nicht mehr um die Megapixel, sondern um den Look der Bilder. Irgendwann einmal bekam ich eine Schallplatte von John Lennon in die Finger, eine Schallplatte meines Vaters und das Bild darauf fand ich einfach irre. Das quadratische Format, dieser Look, diese schöne Anmutung des nicht perfekten fing mich sofort ein. Ich beschloss diesen Look in meine Bilder einfließen zu lassen. Eines Tages saß ich vor meinem iMac und bearbeitete gerade ein Bild und hauchte ihm diesen digitalen analogen Look ein. 



Christine Winter | Schauspielerin aus Salzburg

Mir gefiel das damals wirklich gut, die Bilder finde heut noch top. Solch schöne Fine Art Photography hatte ich was die Peoplefotografie anging noch nie gemacht. Trotzdem fehlte etwas, es fühlte sich nicht richtig an. Sollte solch ein Bild nicht auch ein Negativ haben, greifbar sein? So nahm ich die Kamera, die ich bisher immer als Dekoration für Shootings hernahm und legte da einen frisch gekauften Film ein. Es war mein erster Ilford HP5+ und ich fotografierte, weil gerade nichts anderes da war meinen Sohn. 



Mein Sohn Samuel

Tja was soll ich sagen, ich sendete den Film damals noch zum Entwickeln weg, bekam nach kurzer Zeit die Scans per E-Mail und die Negative per Post zurück. Ich öffnete die Bilder in Lightroom und staunte nicht schlecht, ohne zu bearbeiten, sah das Bild schon perfekt nach analog aus. Ich hatte also Bilder, die analog aussahen auch noch die Negative, es war also greifbar. Jetzt hatte ich also eine Kamera, eine Voigtländer Brillant Compur von 1939 im 6x6 Format mit der ich genau solche Bilder machen konnte wie ich sie schon immer haben wollte. 

So kam es das ich meine Kamerasammlung ausbaute, erst noch eine Pentax 645 usw. Ich landete bei der Mamiya RB 67, einer Fuji G617, Linhof Technika 4x5 im Großformat. All das machte mir unheimlich Freude, das Auswählen des Filmes vor dem fotografiere, das Herrichten der Ausrüstung und vor allem das fotografieren. Es war doch ein viel entspannteres fotografieren als digital. Jetzt entstand richtige Fine Art Photography, jetzt war alles perfekt. So dachte ich immer, so fühlte es sich auch immer an, es war perfekt. Trotzdem hatte mein Workflow wie man es ja so nennt einen Hacken. Ich ging den analogen Weg nicht konsequent bis in die Dunkelkammer durch. Mein Weg endete nach dem Scannen der Bilder. Genau da liegt das Problem, mein Scanner ein Epson V800, für den  ich sogar einen Fluid Mount benutze, war gut, ich war rundum zufrieden. Allerdings hatte dieser Scanner seine Grenzen, in der Dateigröße, also der Anzahl der Pixel die ich gern für meine großformatigen Drucke hätte. Ich müßte also die Negative und Positive professionell scannen lassen und das Geld fehlte mir leider. Für einen Scan 40 Euro und mehr hinzublättern ist für mich nicht zu stemmen. So werkelte ich also eine ganze Weile dahin, ich ließ auch Drucke anfertigen, die sehen wirklich toll aus und haben eine Größe von 1 m auf der langen Seite. Das sind wunderschöne mit Halbe Rahmen gerahmte Fine Art Photography Drucke die ich bei  cromeart.com in München habe machen lassen. Dann sendete ich zwei Negative zu grieger.com die einen Horizontal Vergrößerer haben und 500x180 cm Vergrößerungen machen können, aber auch das ist für mich auf Dauer nicht wirklich leistbar. 

Es gab noch andere Umstände, die für mich ein umdenken in Gang setzten, das war die Preispolitik der Filmhersteller. Nicht alle zogen ihre Preise so deutlich an wie Kodak. Kodak erhöhte seine Preise teilweise um 20-30% pro Film. Andere Filmhersteller haben enorme Probleme mit der Qualität der Filme. Ich habe jeden schlechten Film ersetzt bekommen, aber die Motive darauf waren hin. Fujifilm nahm einige Filme ganz vom Markt, ich stellte also, um um kurze Zeit später zu sehen wie der gleiche Film wieder auf den Markt kam, weil die Nachfrage nach Film stieg. Andere Filmhersteller versprachen den ein oder anderen Film im 120er Format zu bringen, was bis heut noch nicht geschehen ist. Das sind alles Kleinigkeiten, die aber in der Summe dazu geführt haben das ich meine Meinung ändere. 


Was nun machen?

Nach wirklich langem überlegen bin ich zum Entschluss gekommen die analoge Fine Art Photography im professionellen Bereich einzustampfen. Jetzt wo das hier schreibe, bin ich gerade dabei fast alle meine analogen Schätze von Fuji G617 über Fuji G690 bis hin zur Linhof alles zu verkaufen. Von dem Geld möchte ich mir danach eine neue digitale Ausrüstung zulegen. 

Ja ich weiß viele werden jetzt sagen um "Gottes Willen", andere werden sagen "wo verkauft er seine Ausrüstung" und wieder andere werden sagen "ja und, Fotografie ist doch egal mit was man das macht". Richtig und genau das sage ich auch immer, man muss sich mit dem wohlfühlen, was man macht. Ich habe beschlossen ins digitale Mediumformat einzusteigen, um dennoch eine gute Qualität zu haben und mich wohl zu fühlen. Die Kamera, die ich mir zulegen möchte kommt der Fuji G690 BLP schon sehr nahe, ist halt nur digital. 

Es ist die Fujifilm GFX 50s mit dem Fujinon GF 32-64 mm F4 R LM WR. Diese Kamera ist es geworden, weil sie mir alles bietet, was ich zum Fotografieren brauche. So kann es mit meiner Fine Art Photography weitergehen. Es ist das 4:3 Format des Sensors, seine beeindruckende Größe von 44x33mm. Natürlich ist das nichts im Gegensatz zur Mamiya RB 67 mit ihrem 6x7 Format. Für eine digitale Kamera ist der 44x33 mm große Sensor aber schon beeindruckend. 

So beginnt hier für mich ein neues Kapitel, denn mit dem digitalen Mittelformat habe ich noch nie gearbeitet. 




© 2020 Merten Riesner